NUR WER SICH ERINNERT, HAT EINE ZUKUNFT

Gedanken zum Gedenken des 200. Geburtstages von Johann Hinrich Wichern

von Heinz Kleinitz

Der Namenspatron unserer Gemeinde ist am 21.4.1808 in Hamburg geboren und auch dort am 7.4.1881 gestorben. Wer war er? Und hat sein Leben und Wirken über das bloße Erwähnen hinaus noch eine Bedeutung für uns heute? – Eindeutig: Ja – und wir wollen uns darauf besinnen.

Es kann nur ein kurzer Abriss sein. Aus dem Lexikon: „Wichern entwickelte den Gedanken der Inneren Mission u. ist Wegbereiter der ev. Sozialarbeit im industriellen Zeitalter.“

Seine Lebenszeit umfasst für Deutschland große Umwälzungen. Positiv: von Kleinstaaterei zum Kaiserreich, von der Agrarwirtschaft zur Industrieweltmacht. Negativ: Entstehen des „5. Standes“ mit seinem sozialen und menschlichen Elend und eine Kirche der Oberen“.

Wichern kommt selbst „von unten“. Er kennt und sieht vor allem die Not der Kinder und der Jugend. So gründet er, zunächst nur für sie, das „Rauhe Haus“, eine der Wurzel des heutigen Diakonischen Werkes. Aber, und das ist für alle seine Aktivitäten grundlegend: nicht allein. Er gründet es zusammen mit wohlhabenden Christen, mit denen er gemeinsam hat die pietistische „Erweckung durch Christus und zu ihm“. Wichern hat auch immer Vorbilder gesucht und Mitarbeiter gefunden.

So entsteht im Laufe der nächsten Jahrzehnte einiges uns heute Selbstverständliches: der Beruf des Diakons oder die Gefangenenseelsorge. Eine flammende spontane Rede Wicherns auf dem 1. Kirchentag 1848 ist der Beginn der Inneren Mission. Als preußischer Reg.-Rat und Konsistorialrat bereist und berät er ganz Deutschland. Dann aber erkrankt er schwer und leidet in den letzten Lebensjahren unsäglich.

Was aber kann uns Wichern für heute sagen – gleichsam „von innen“?

Seine Triebfeder, aus der heraus er handelt, ist Liebe. „Weil Christus mich zuerst geliebt hat“. Als „Genie der Liebe“ (so einmal Theodor Heuß) wird er in einer erinnerungsbewußten Christenheit weiter lebendig bleiben.

Am Vortag seines 200. Geburtstages werden wir ihn im Gottesdienst feiern – am Sonntag, dem 20. April, mit dem passenden Namen KANTATE.

(Dieser Artikel ist auch im aktuellen Gemeindebrief zu lesen.)

Einen Kommentar schreiben