Konfirmationspredigt ‘09 Gauer

Ich weiss noch wie er aussah. Und ich weiss noch wie er roch.
Ich weiss noch wie er anfing. Und auch noch wie er endete.
Ich weiss noch wer ihn schrieb: Meinen ersten Liebesbrief.

Natürlich waren da auch die berühmten drei Worte geschrieben.
Und Herzen gab es jede Menge; Kleine und große, rote und bunte,
gemalt und geschrieben.
Ich weiss noch in welche Kiste ich ihn gelegt habe,
denn er gehört zu den Dingen, die einen ganz, ganz lange begleiten
und das ist gut so.

Mit „Mein lieber Christian“ begann der Brief.
Und allein das hätte eigentlich schon gereicht.
„Mein lieber Christian“

Das heisst: Wir gehören zusammen!
Ich gehöre zu dir und du zu mir – ich bin dein und du bist mein.
Wie oft habe ich ihn gelesen; immer und immer wieder.
Mitten ins Herz. Eine wunderbare Erinnerung.
So viele Worte, die mir sagten:

In Gedanken begleite ich Dich auf Schritt und Tritt.
Für Dich lass ich alles stehen und liegen.
Mit Dir geh ich durch dick und dünn.
Weil ich Dich liebe, habe ich so viel für Dich getan
und weil Du in meinen Augen so wertvoll
und herrlich bist.

Dieser Brief bleibt etwas Besonderes, denn natürlich folgten Weitere, ganz ähnliche, mit Herzen und vielem mehr. Doch im Laufe der Zeit —- änderten sie sich.
Schon an dieser so wichtigen ersten Zeile konnte man es lesen.
Plötzlich wurde aus „Mein lieber Christian“ mit einer klitzekleinen Änderung nur noch: „Lieber Christian“. Ein kleiner Stich im Herz, eine kleiner Zweifel und dann immer und immer wieder die Suche zwischen den Zeilen:

Wie hat sie das gemeint?
Warum hat sie es so geschrieben und nicht anders?
Warum hiess es irgendwann nur noch: „Hallo Christian“.
Wo war nur all die Liebe hin?

Es hat lange gedauert bis ich gelernt habe, wie das Leben und manachmal auch die Liebe spielt. Manchmal dauert sie lang und länger, und manchmal bleibt sie nur für kurz ein andermal war es gar keine Liebe sondern nur Spiegelbild für anderes.
Es hat lange gedauert, dass zu verstehen und noch länger, es auch zu akzeptieren.

Noch länger aber hat es gedauert, bis ich merkte, dass ich einen ähnlichen ganz besonderen Liebesbrief schon seit Jahren in meinem Regal stehen hatte, ohne dass ich es wusste.
Da standen fast exakt dieselben Worte:

In Gedanken begleite ich Dich auf Schritt und Tritt.
Für Dich lass ich alles stehen und liegen.
Mit Dir geh ich durch dick und dünn.
Weil ich Dich liebe, habe ich so viel für Dich getan
und weil Du in meinen Augen so wertvoll
und herrlich bist.

Dies konnte ich da so oft lesen, immer und immer wieder, so dass die Überschrift „Mein lieber Christian“ sich wie von allein über alles schrieb. Sehr besondere Seiten waren und sind das bis heute und das vielleicht Berührendste ist, dass sich das auch nach Jahrzehnten nicht geändert hat und es nicht irgendwann hiess „Hallo“ sondern immer noch „Mein lieber..“.
Vielleicht ahnt ihr, auf welchen Seiten diese Zeilen zu lesen sind. Wir haben vorhin ein paar davon vorgelesen bekommen und werden nachher noch mehr davon hören, wenn eure Konfirmationssprüche vorgelesen werden.
Denn. —- diese Worte stammen aus der Bibel.
Kaum zu glauben, aber wahr. Immer wenn dort steht, dass Gott zu den Menschen spricht, tut er das auch noch heute, hier:
Wenn er also zu Abraham sagt:
„Ich segne dich und du sollst ein Segen sein“, dann sagt er das auch zu Euch. Zu Dir Jasmin und zu Dir Sophie und Dir Simon.
Wenn er zu seinem Volk Israel sagt:
„Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst.“ dann sagt er das auch zu Dir Mats und Christian und Rosario.
Überall, wo Gott von seiner Liebe zu den Menschen spricht tut er dies zeitlos über die Jahrtausende hinweg auch noch heute. Manchmal von Mund zu Mund und immer und immer wieder durch seine aufgeschriebenen Liebeserklärungen an uns in der Bibel.

In den letzten Jahren haben wir gemeinsam viel in der Bibel gelesen und uns darüber unterhalten. Nun am Ende unserer Konfirmandenzeit wünsche ich mir, Ihr entdeckt diesen besonderen Liebesbrief schneller als ich damals. Ich wünsche mir, dass Ihr neugierig geworden seid auf dass, was wichtig ist im Leben.
Nämlich nicht, wieviel Geld ihr einmal verdienen werdet sondern wie viel Liebesbriefe ihr geschrieben und wir viele ihr erhalten habt.
Nicht, welche Autos ihr euch zulegt oder Klamotten ihr euch kaufen werdet, sondern wie oft ihr für andere, und andere für euch da waren.
Eure Konfirmandenzeit wollte Euch eine Kostprobe davon geben, und irgendwie scheint das wohl auch gelungen zu sein.
Es ist selten, dass Konfirmanden am Ende der Zeit sagen. Wenn wir noch einen Wunsch frei haben Herr Gauer, dann den:
Wir wollen weitermachen. Egal wie. Mit einer Frezeit, mit dem neuen Moisekeller mit einem Konfitreff hauptsache noch ein bisschen weiter ein wenig mehr.

Für mich ist dieser Wunsch eine kleine Liebeserklärung an Eure Gemeinde und so werden wir antworten mit einer Hollandfreizeit, mit der Möglichkeit den Moisekeller wieder zu eröffnen mit verschiedenenen Aktionen, die wir uns noch ausdenken werden.

Für heute aber gilt:
An diesen Liebesbrief Gottes sollt Ihr Euch auch immer wieder erinnern können. Nicht nur dadurch, dass Ihr ja alle schon eine Bibel zu hause habt, in der Ihr stöbern, suchen und finden könnt. Nein! Sondern mit einem kleinen Sonder-Brief der die Liebeserklärungen Gottes mit Eurer persönlichen Anrede schwarz auf weiss beinhaltet. Jeder und jede bekommt eine solche Briefrolle zu Eurer Einsegnug, damit Ihr glauben könnt, was Euch versprochen ist.

Weil ich Dich liebe, habe ich so viel für Dich getan
und weil Du in meinen Augen so wertvoll
und herrlich bist.
Dein Dich liebender Gott.
Amen

Eine Antwort schreiben