Gauer: Maffay

Pastor Christian Gauer, am 5.8.2007:

Lieber Gott… Predigt zu Texten von Peter Maffay

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen

Liebe Gemeinde,
Wenn das Schweigen mich umgibt,
wird ein Lied zum Gebet
und ich warte so auf eine Antwort.
Ich such’ das Licht,
das die Flamme entfacht.
Wer führt mich durch die dunkle Nacht ?

Wer ist der Mann, der stellvertretend für viele Jugendliche seiner Zeit diese Liedzeilen geschrieben hat? Wer ist dieser Peter Maffay und wie kommt es, dass ausgerechnet er in einer Predigt eine Rolle spielt?
Wenn Sie den Namen Peter Maffay hören liebe Gemeinde, dann gehen Ihnen wahrscheinlich auch unwillkürlich Lieder durch den Kopf, wie seine allerersten: „Josi, Josi es ist soweit, vergiss die Kinderträume und halte dich bereit.“
Oder natürlich „Über sieben Brücken musst du gehen“. Das waren in den siebziger Jahren seine ersten großen Lieder, mit denen er herausgekommen ist.
Der kleine Mann, der gerade einmal 1,68 Meter groß ist, stammt aus Rumänien, genauer gesagt Siebenbürgen. Seine markante rauchige Stimme singt einen sogenannten Nummer-Eins-Hit nach dem anderen und so gehen uns manche seiner Lieder heute noch durch den Kopf.
Was aber den Sänger und den Menschen Peter Maffay besonders auszeichnet, sind die Fragen, die er stellt und die Antworten, die er darauf gefunden hat.

Die Frage, die wir eben gehört haben.
Ich such’ das Licht,
das die Flamme entfacht. –
Wer führt mich durch die dunkle Nacht?

Maffays Antwort:
Dass es noch Gutes gibt
daran glaube ich;
ich schwöre: Dazu stehe ich!

Als ob Maffay die Worte des Apostel Paulus aus dem Römerbrief zitiert, in dem es heisst:
Vergelte nicht Böses mit Bösem
sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Man könnte auch sagen:
Maffay weiss um die „bösen Dinge“ um ihn herum, oder anders gesagt. Er ist ein wacher Zeitgenosse, der sieht, wer und wo in unserer Gesellschaft die Mühseligen und Beladenen unter die Räder kommen. Er sieht das zunehmende Leid verarmter Kinder – auch in Deutschland. Er sieht die wachsende sozialer Ungerechtigkeit – auch in Deutschland – und anderswo auf der Welt. Und er will etwas dagegen tun.
Als Schlagersänger, der immer bekannter durch Funk und Fernsehen wird, kann er es sich leisten, dass zu tun, was er immer schon einmal tun wollte. So schreibt er ein Musical für Kinder und Erwachsene. Es trägt den Namen Tabaluga.
Es handelt davon, wie ein kleiner Drache an der Hand seiner Eltern die Welt entdeckt, mit allen ihren Schönheiten und Gefahren. Tabaluga wird zum Kassenschlagen schlechthin. Eines der bekanntesten Lieder ist das, von dem wir zu Beginn die Melodie gehört haben. Es heisst: „Ich wollte nie erwachsen sein.“
Vier Fortsetzungen erfährt das Musical und heute gibt es kaum einen jungen Erwachsenen, der den Namen Tabaluga nicht schon irgendwo gehört hat. Doch vielleicht können wir an dieser Stelle einmal kurz inne halten und eine kleine Passage aus diesem Lied zitieren: Der Refrain des Liedes nämlich lautet:

Irgendwo tief in mir bin ich ein Kind geblieben.
Erst dann wenn ich’s nicht mehr spüren kann
weiß ich es ist für mich zu spät zu spät zu spät.

Es gehört für Christen nicht viel Phantasie dazu die Worte Jesu, dass wir so werden sollen wie die Kinder, hier mitzuhören.

Sich trotz allen Erwachsenwerdens kindliche Eigenschaften wie Neugier oder Verspieltheit zu erhalten zeichnen Maffays Musical Tabaluga und sein Leben aus.

Das heisst:
er singt nicht,
um davon zu leben,
sondern umgekehrt:
er lebt,
um davon zu singen.

So sind ihm beispielsweise nicht nur die großen Stadien der Welt bekannt, wo er vor Hunderttausenden seine Lieder spielt.
Nein manchmal ist es auch eine kleine Kirchengemeinde in Hamburg, die ihn gebeten hat im Gottesdienst mit seiner Band zu spielen, denn…

Maffay ist Christ, und seine Lieder zeugen nicht selten von seinem Glauben – ausgesprochen mit Worten oder zwischen den Zeilen.

Immer noch gilt für ihn die gleiche Antwort auf die Frage, wer aus der dunklen Nacht führt, nämlich:
sein Glaube und seine Hoffnung auf eine gerechtere Welt.

So wird aus einem Musical für Kinder die ganz konkrete Unterstützung für benachteiligte Kinder. Auf der Insel Mallorca gründet er eine Stiftung für notleidende Kinder. Sein Bekanntheitsgrad ermöglicht ihm Spender und Sponsoren zu finden, die das Projekt auf solide finanzielle Füße stellen. Eigentlich könnte Maffay sich jetzt zur Ruhe setzen.

Doch es geht weiter. Schon zwei Jahre später entsteht sein nächstes Projekt. Maffay denkt weiter in die Zukunft. Er will die Menschen näher zusammenbringen und sieht in der Musik die Chance, die verschiedensten Kulturen und Religionen näherzubringen.

So zieht er mit seiner Band durch die Welt und macht in den verschiedensten Ländern mit dortigen bekannten Musikern eigene Stücke in deren Landessprache und mit deren Musikinstrumenten.

In der Türkei und in Israel in den USA, in Australien und vielen anderen Ländern der Erde. Die Aborigines in Australien beispielsweise sind so begeistert von dem Feuer und dem Enthusiasmus des Peter Maffay, dass sie ihn zum Ehrenmitglied ihres Stammes machen; eine nicht alltägliche Auszeichnung für einen weissen Ausländer.

Und natürlich macht Maffay aus all dem eine CD. Der Titel lautet – natürlich – „Begegnungen“. Auch dies wird ein Verkaufshit, und ein Teil der Gelder geht zu den Kindern nach Mallorca, wo sein Projekt immer größer und umfangreicher wird.

(Wer einmal im Internet surft, der wird beeindruckt sein, was er dort alles für therapeutische Einrichtungen finden wird, einen Ökogarten, Werkstätten, Reiten für Kinder und vieles mehr.)

Dabei ist Maffay kein Heiliger sondern genauso vom Leben gezeichnet wie andere auch. Er ist dreimal verheiratet, wird erst mit 54 Vater. Wer nicht weit von hier seine sagenumwobenen Konzerte in Bad Segeberg im Kalkberg besucht hat, weiss, dass die gesamte Rockerszene Deutschland ohne ihn um einiges ärmer wäre.

Er bleibt sich und seinen Träumen treu. Er fährt trotz diverser gefährlicher Motorradunfälle weiter seine Harley Davidson und pflegt sein Image und seine Musik.

Maffays Wunsch wird immer mehr, Menschen ganz konkret durch die Musik zusammenzubringen und sein Image, seine Bekanntheit für soziale Zwecke zu nutzen.

Musik wird so zur Ausdrucksweise seines Glaubens.
Viele seiner Lieder werden so zu Gebeten.
Musik zu machen, diese Gabe hat Gott ihm gegeben und er gibt es auf seine Weise zurück, wenn er nicht nur Lieder schreibt und singt, sondern mit diesen Liedern ganz konkret etwas bezwecken will – nämlich: mehr Verständnis füreinander.

Das meint nicht nur den Nachbarn, sondern auch ganz allgemein, mehr Verständnis für die anderen:
die anderen Religionen, andere Sprachen, Bräuche und Menschen, die uns oft so fremd sind.

Maffay hat früh erkannt, dass so wie Kinder ungezwungen miteinandern spielen können, Erwachsene genausso ungezwungen miteinander musizieren können, wenn jeder das Instrument oder die Stimme des anderen hört und toleriert und Spaß an der Musik hat.

Maffay! Ein neuzeitlicher Prophet also?

Wenn wir alttestamentliche Propheten als diejenigen bezeichnen, die mit ihrem Wort und ihrem eigenen Leben für eine gerechtere Welt im Namen Gottes einstehen, dann JA, dann ist Maffay ein besonderer Prophet der heutigen Zeit.

Das verdient Respekt und lädt dazu ein, es ihm gleich zu tun. Jeder mit seiner eigenen Gabe, so wie wir es im Predigttext ge-hört haben, mit seinen eigenen von Gott anvertrauten Vermögen. Keiner brauch, keiner soll seine Gaben und seine Talente, sein Vermögen, sein Licht unter den Scheffel stellen, sondern soll es leuchten lassen und vermehren, damit viele etwas davon haben. So verleihen wir Gott, so verleihen wir unserem Glauben Hand und Fuß.

Der Vollständigkeit halber will ich erwähnen, dass Maffay längst noch keinen Schlusspunkt im Einsatz für sozial Benachteiligte gesetzt hat. Seine Geschichte geht weiter. Ende letzten Jahres hat er unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel und in Zusammenarbeit mit dem christlichen Kinderhilfswerk „World Vision“ die Aktion „Begegnungen – eine Allianz für Kinder“ ins Leben gerufen.

So entstand eine interessante Verbindung seiner beiden Lebensthemen. Begegnungen durch Musik auf der einen Seite und Einsatz für Kinder auf der anderen Seite. Ein Rahmen, für den ihm, den inzwischen fast sechzig Jährigen immer mehr Kinder und Jugendliche von Herzen dankbar sind.

Es bleibt spannend, was er sich in den nächsten Jahren noch vornehmen und umsetzen wird, wo wir ihn noch hören und sehen werden.

Was will uns all das sagen, liebe Gemeinde?
Vielleicht das:
Gleich wie alt, es ist immer möglich, sich doch noch ein Stück zu entwickeln, zu sehen, was in uns steckt.

Und vielleicht auch das:
Wenn wir nur lange genug hinhören und hinsehen, gibt es mehr von Gottes Spuren zu entdecken, als wir glauben.
Und manchmal sind es ganz andere Leute, die uns helfen sie zu finden, als wir gedacht haben.

Menschen, die sagen und singen:
Dass es noch Gutes gibt
daran glaube ich;
ich schwöre:
Dazu stehe ich!

Amen

4 Responses to Gauer: Maffay

  1. Susanne Olhorn sagt:

    Es ist sagenhaft , wie der Verfasser dieser Predigt , die Ära Maffay beschreibt , Es ist traumhaft wie real er über Peter spricht und es ist einzigartig wie das Alles auf uns Menschen wirkt .

  2. Susanne Olhorn sagt:

    Meine Hochachtung ; Danke

  3. Markus Kosian sagt:

    Als gläubiger Christ und großer Fan der Musik von Peter Maffay möchte ich Sie an dieser Stell zu Ihrer Predikt beglückwünschen. Traumhaft wie Sie die neutestamentliche Geschichte von den Talenten mit einem bescheidenen Helden unserer Zeit verbinden und Leuten Mut machen Gleiches zu tun… „Alles wird gut, wenn jeder es tut, dann kommt es zurück, das verschenkte Glück“ (aus Tabaluga „das verschenkte Glück“).

    Herzliche Grüße
    Markus

  4. Werner Wagner sagt:

    Das heisst:
    er singt nicht,
    um davon zu leben,
    sondern umgekehrt:
    er lebt,
    um davon zu singen.

    Toll und auch bewundernswert wie der Verfasser dieses Texte den Blick schärft, was im Leben wichtig ist.
    ich warte auf neue Texte lieber Pastor Christian Gauer.

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